UFC 2: Der Test zum MMA-Sequel

von Enrico 4 0 vor 1 Jahr am 10.04.2016
© Electronic Arts

Unser Test zum neuen EA Sports-Titel - UFC 2 ist fertig, was wir von diesem halten und was er besser macht als der erste Teil, erfahrt ihr hier.

Zum zweiten Mal gibt sich EA die Ehre MMA- Recken ala Jon “Bones” Jones, Misha “Cupecake” Tate oder Anthony “Showtime” Pettis virtuell gegen ihre Rivalen antreten zu lassen. Wie spielt sich der erneute Anlauf von EA und wird er dem umfassendsten Kampfsport unserer Tage gerecht? Das erfahrt ihr hier im Test.

Grafik und Inszenierung

Um es an dieser Stelle vorweg zunehmen: die grafische Darstellung der Kämpfer und die der internationalen Arenen ist ohne Übertreibung grandios. Zwar ist der viel gepredigte Fotorealismus noch ein gutes Stück weit entfernt, aber noch nie sahen virtuelle Abbilder ihren realen Vorbildern so ähnlich. Bei Bewegungen der Athleten sind etliche Muskelkontraktionen und die Atmung selbst wahrzunehmen. Bei Treffern entgleisen den Fightern die Gesichtszüge und eindeutige Deformationen ihrer physischen Erscheinung werden erkennbar. Angeschlagene Körperstellen, offene Cuts und teils sogar Knochenbrüche sehen nicht nur “gut” aus, sondern können letztendlich sogar zum Kampfabbruch führen.

Die Location's wie beispielsweise der Madison Square Garden, das MGM Grand oder die Saitama Super Arena sind detailreich und lebendig inszeniert. Das Publikum verbreitet Stimmung und kocht bei Highlight Reels förmlich über. Ringrichter und Ring Girls sind ähnlich hochwertig dargestellt wie die Protagonisten und die Kommentatoren verleihen dem ganzen regelrechtes Event- Feeling. Kleiner Tipp am Rande: lasst die amerikanische Originaltonspur laufen. Zwar geben sich die Deutschen echt Mühe, aber im Gegensatz zu Joe Rogan und Mike Goldberg klingt es fast als ob sie eine Runde Golf kommentieren würden.

Fighter Roster und Game Modi´s

Die Auswahl an Athleten kann sich definitiv sehen lassen. Mehr als 250 Kämpfer und dieses Mal auch Kämpferinnen hat EA implementieren lassen. Insgesamt stehen 10 Gewichtsklassen zur Verfügung, inklusive denen der beiden Damen- Divisionen. Auch Bonusfighter wie z. B. Bruce Lee oder Mike Tyson sind wieder mit von der Partie. Wem das nicht ausreicht ist herzlich dazu ermutigt eigene Kreationen mit Hilfe des Editor's zu erstellen. An manchen Stellen wurde dieser im Gegensatz zum Vorgänger verbessert, an anderen hinkt er diesem jedoch nach. Ein Beispiel: es ist nicht mehr möglich das Einlaufen, das Verhalten bei der Vorstellung oder seinen Siegestaumel selektiv einzustellen. Stattdessen wählt man eine Vorlage eines bereits existierenden, realen Sportlers aus und fertig. Individualisierung sieht leider anders aus.

Immerhin hat sich EA redlich bemüht die Spielmodi’s auszubauen. Dass das bei dem Vorgänger EA Sports UFC allerdings kein großes Kunststück ist versteht sich schon beinahe von selbst. Neben dem einfachen Fighter VS Fighter- Modus und dem obligatorischen Karrieremodus stehen außerdem noch der Knockout- Modus, Event- und Live Event- Modus, Online Meisterschaften, der sogenannte Ultimate Team- Modus und Skill Minispiele sowie ein ausgefeilter Trainings- Modus zur Verfügung. Eigentlich alles recht selbsterklärend, daher gehen wir an dieser Stelle lediglich auf den Ultimate Team- Modus näher ein. Hier geht es darum mit einem Team bestehend aus maximal 5 individuellen Kämpfern/ innen in unterschiedlichen Gewichtsklassen gegen Athleten und Team's anderer Spieler anzutreten. Hierdurch sammelt ihr Punkte und Skill Packs die ihr benutzt um eure Fighter weiter aufzuleveln. Soweit, so einfach.

Gameplay und Octagon Control

Erst einmal ein großes Lob und Respekt an die wackeren Programmierer. Einen derart komplexen Sport wie MMA so facettenreich und einsteigerfreundlich wie möglich in ein Videospiel zu verwandeln ist eine echte Herculesaufgabe. Sch… auf Wrestling, hier geht es um Sport auf höchstem Niveau. Bloßes Knöpfchen drücken bis zum Anschlag hilf hier genauso wenig weiter wie den Controller aus Frust an die Wand zu schmettern. Alles funktioniert intuitiv und durchdacht. Punchs, Kicks und Takedowns gehen ebenso leicht von der Hand wie Blocks, Clinchs oder Transitions.

Einzig effektive Pendelbewegungen und gezielte Konter erfordern ein höheres Maß an Übung. Ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch, wenn denn da nicht die beinahe unausführbaren Submissions wären. Unbegreiflich warum EA hier an der Steuerung des Prequels festhalten musste. Rechten Stick zum Entkommen aus dem Aufgabegriff in eine belibige Richtung drücken, der Angreifer versucht das mit eben dieser Aktion zu verhindern. Um beispielsweise den Würgegriff weiter anzuziehen muss zu einem bestimmten Zeitpunkt der linke Stick in eine vorgegebene Richtung bewegt werden. Furchtbar. THQ hatte in der Vergangenheit bessere Lösungen parat.

Ansonsten fühlt es sich einfach klasse an sich im Octagon die Fäuste um die Ohren zu bomben oder seinen Gegner im Clinch zu zermürben oder ihn heftig zu Boden zu ringen, oder oder oder. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Nur eines sollte man nicht allzu ausgelassen vollführen, und zwar zu optimistisch offensiv zu Werke gehen. Die KI ist ganz formidabl und beherrscht ihr Handwerk. Wer nicht auf seine Deckung achtet, geht schneller KO als er diese beiden Buchstaben aussprechen kann. Mit einer gesunden Portion Strategie und Taktik vorzugehen ist meist das Zünglein an der Waage, vorallem gegen passable menschliche Konkurrenten.

Fazit

Apropos Konkurrenz: es gibt nämlich keine. Das soll nicht heißen, dass EA Sports UFC 2 konkurrenzlos gut ist, sondern dass es momentan tatsächlich die einzige ernstzunehmende MMA- Umsetzung ist. Leider.

Leider weil Konkurrenz das Geschäft belebt und zu Höchstleistungen anspornt. Und genau das Fehlen dieser Konkurrenz merkt man EA Sports an.

Der neuste UFC- Ableger ist bei weitem kein schlechtes Spiel. Ganz im Gegenteil: es ist ein recht gutes Spiel. Aber eben leider kein Überragendes. Obwohl es alle Anlagen besitzt die es dafür bräuchte, bleibt EA Sports UFC 2 hinter seinem eigenen Potential zurück. Grafisch ist es over the top, der Umfang reicht dicke aus um sich tagelang zu beschäftigen, die Steuerung und somit das Gameplay sind größtenteils stimmig, aber dennoch sind es die Kleinigkeiten die einem den Gesamteindruck von einem Kunstwerk verhageln. Warum ein Festhalten an einem solch minderbemittelten Submission- System? Warum eine abgespeckte Lightversion früherer Charakter- Editoren? Und warum fehlt noch immer ein Turniermodus? Weil Turniere momentan keine Kernkompetenz der aktuellen UFC sind? Eine mehr dürftige als überzeugende Argumentation für ein Game.

Wie bereits beim neuesten Aufguss von Need for Speed nimmt sich EA viel vor und verspricht der Zockergemeinde eine ganze Menge, nur um dann nicht konsequent genug ein Endprodukt abzuliefern, welches vor allem Langzeit- Fan's sauer aufstößt. Wird EA Sports UFC 2 der MMA- Szene gerecht? Ja wenn man es vom Mainstream aus betrachtet, nein wenn man einen waschechten Enthusiasten fragt!

Kurzum: wer Spaß an gelungen Sportspielsimulationen hat kann bei EA Sports UFC 2 bedenkenlos zugreifen und wird nach einer gewissen Einarbeitungszeit sicherlich seine helle Freude haben. Hardcore- Fan's und UFC- Liebhaber dürfen nur zu gerne einen Blick riskieren, sollten aber auf den Zweiten ein Auge zukneifen.

Deine Meinung
Top
4
Her damit
0
Hammergeil
0
Schrott
0
Skandal
0
Sinnlos
0
Kommentar schreiben
Testbreichte Smartphones, Smartwatchs, VR-Brillen, Konsolen uvm. Suche, Vergleiche und finde das beste Produkt für dich, mit unserer neue Testübersicht. Vergleichs-Tool Merkliste Amazon-Preisverlauf Erst informieren und vergleichen, dann kaufen Los gehts
KATEGORIE
PASSENDES